searching for the magic moment

von Redaktion


proud auf dem Melt! – das bedeutete eine Menge Chaos und massenhaft Spaß. Aber natürlich haben wir nicht nur wahnsinnig viel gute Musik gehört und großartige Shows gesehen, nein, am Rande des Festivals schnappten wir uns noch eine der vielseitigsten Partylegenden Berlins, Cornelius Opper aka Coop, und unterhielten uns mit ihm über das Feiern und seine Nebenwirkungen.

Du bist selbst DJ und Veranstalter, hast das Rio und das Scala aufgebaut, jetzt organisierst du das Berlin Festival mit – wie ist es eigentlich eine „Berliner Partylegende“ zu sein?

Oh, danke! Ich bin natürlich sehr froh über das, was ich mache. Ursprünglich habe ich Architektur studiert. Aber damit war ich nicht sehr glücklich und habe angefangen, meine eigenen Parties zu organisieren. Das wurde dann immer größer und größer – es hat sich jetzt über sieben Jahre entwickelt. Das ist unglaublich schöne Arbeit, weil man dieses planerische hat, eine Idee verwirklichen kann, aber auch unheimlich viel Response direkt auf der Veranstaltung bekommt. Viele kreative Bereiche fließen da ein, Musik, Fashion, Media, ein sehr spannendes Feld.

Warum machst du diese Parties? Was ist dein Antrieb dafür gewesen – und ist es bis heute?

Der kreative Ausdruck, selber was auf die Beine zu stellen, aber auch mit den Menschen zu kommunizieren. Gute Parties haben immer diesen „magischen Moment“. Dafür gibt‘s kein Erfolgsrezept. Ein gutes Booking gehört dazu, aber natürlich auch gutes Stammpublikum und ein schöner Ort, wo man sich wohl fühlt.

Gibt es, abgesehen von diesen „Grundzutaten“ etwas, was für dich diesen magischen Moment ausmacht?

Ja, wenn man irgendwann nachts um vier im Club steht und alle Arme in der Luft sind, der Schweiß von der Decke tropft, die Menschen sich in den Armen liegen – das kann schon durchaus magisch sein. Mir ist es wichtig, Gastgeber und Teil des Ganzen zu sein. Ich glaube nicht, dass man einen Club einfach abgeben kann – das merken die Leute. Man prägt auch durch seine Anwesenheit einen Abend mit. Ich habe immer versucht, möglichst verschiedene Leute zusammenzubringen und einen Ort zu haben, der ein Wohnzimmer ist, wo man seine besten Freunde trifft. Die Leute sollen im besten Fall einfach in den Club kommen, weil sie gerne dort sind und nicht unbedingt weil irgendein DJ spielt. Ich glaube, dass ist eine große Qualität, die es in Berlin nicht mehr oft gibt. Gerade im Scala fand ich es auch schön zu sehen, dass eine ganz neue Generation an Clubpublikum kommt und die Gäste anfangen, selbst kreativ zu werden und die Seiten wechseln. Ich hatte Resident-DJs, beispielsweise das A-Team, Marlon, die anfangs „nur“ Gast waren. Das finde ich sehr schön, wenn die Leute Teil des kreativen Prozesses werden und anfangen, eigene Ideen zu verwirklichen. Das ist ein schöner Impuls auf der Arbeit.

Das heißt, auf jeder Party, die du organisierst, bist du auch selber?

Ja, soweit es möglich ist, ich ärgere mich sonst auch immer, wenn ich die eigene Party verpasse! Es treten ja Künstler auf, die mir sehr am Herzen liegen, die ich selber treffen will, als DJ miterleben möchte.

Hast du überhaupt noch persönlichen Kontakt zu den Künstlern? Geht das denn nicht im Zuge der Professionalisierung des Clubs verloren?

Nein, auf keinen Fall! Das finde ich total wichtig, dass man gemeinsam Essen geht am Abend, man verbringt ja auch Zeit miteinander. Wir haben immer versucht, auch Live-Musik im Clubkontext stattfinden zu lassen – was damals relativ neu war. Ich finde es ganz wichtig, weil es eine ganz andere Energie ist, die den ganzen Clubabend mitbestimmt.

Beim Gespräch mit einem anderen Clubbetreiber meinte dieser, dass sich die Clubkultur in Berlin in fünf Jahren kommerzialisieren werde und die Preise steigen, wie beispielsweise in Paris – was ist deine Ansicht dazu?

Das denke ich nicht, zum Glück kann man das selbst beeinflussen. Ich sehe meine Aufgabe im Clubbereich darin, dass Ganze noch glaubwürdig zu halten, auch Underground zu bewahren. Ich finde Clubs, die zu glatt sind, zu kommerziell, sind nicht lebendig. Meiner Meinung nach muss ein Club auch ein bisschen dirty sein, ein bisschen roh, vielleicht auch einen Ort haben, der ein bisschen Geschichte hat. Am Ende ist man selber derjenige, der die Preise bestimmt – ich glaube nicht, dass alles kommerzialisiert
wird. Klar werden beispielsweise Gagen immer teurer, aber da muss man auch einen Mittelweg finden und neue Künstler entdecken. Das ist eine spannende Aufgabe, immer den neuen „heißen Scheiß“ an den Start zu bringen, bevor es die anderen machen.

Woher kommt deine Inspiration für all deine Projekte?

Das Berlin-Tokio war ein Laden, der mich stark beeinflusst hat. Das war eine Kunstgalerie am Hackeschen Markt, wo ein glaubwürdiger Brückenschlag zwischen Kunst und elektronischer Musik gelang. Da hat die Berliner Szene ihren Ursprung genommen, Jeans-Team, Stereo Total, Peaches und Gonzales haben da ihr erstes Konzert gespielt, und auch ich wurde dort geprägt. Da kommt meine Inspiration her, da hatte ich meine ersten Erlebnisse im Nachtleben.

Was war denn ein wirklich außergewöhnlicher Moment deiner Karriere?

Ich erzähle immer gerne die Geschichte vom letzten Abend im Rio, wo das Gerücht umging, dass Marylin Manson auftauchen würde. Da haben wir uns ganz schnell ein Marylin Manson- Double organisiert, das im oberen Stockwerk vor dem Fenster hin- und herging und alle Gäste haben ihn beobachtet. Der sah so echt aus! Es war Stadtgespräch und stand am nächsten Tag in der Zeitung. Das war schon ein Riesenspaß. Wo das Gerücht herkam, weiß ich nicht, wir waren selbst überrascht. Bei Gerüchten ist es aber nicht wichtig, ob sie stimmen, sondern nur, dass es sie gibt. Das macht den Ruf eines Clubs aus: Je legendenumrankter, desto spannender. Das war auch so ein magischer Moment.

Und was war die größte Enttäuschung deiner Laufbahn?

Vielleicht die Anfänge des Berlin- Festivals, wo wir ein tolles Programm hatten und eine tolle Location, aber noch der Zuspruch fehlte. Dann wird es bei Veranstaltungen von der Größenordnung eines Festivals schon schwierig. Da gab es einige nicht einfache Momente. Aber wenn man an die Sache glaubt, ist es umso schöner, wenn man weiter macht und für die Sache kämpft. Vielleicht gibt es auch im Clubbereich mal Enttäuschungen, aber davon sollte man sich nicht unterkriegen lassen, sondern es als Ansporn nehmen, die nächste Party noch besser zu organisieren. Außerdem – es überwiegen bei weitem die schönen Momente.

Was können wir denn als Nachfolger des Scala erwarten?

Natürlich kommt was, bleibt aber noch Top Secret. Für Herbst und Winter ist wieder etwas geplant. Man darf gespannt sein, aber viel mehr kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Es geht immer weiter!

Wird es eine ähnliche Location, oder ganz etwas anderes?

Natürlich sucht man nach einem ähnlichen Gebäude, aber wie Picasso sagte: „ich suche nicht, ich finde.” genauso halte ich es auch mit
den Locations. Da darf man sich überraschen lassen. Ihr werdet es natürlich als Erster erfahren!

Vielen Dank für dieses Interview!

Text Aida Baghernejad
Layout Martha Sla

Redaktion

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