Schuhbacca – Puma Sky Hi +

von Miron Tenenberg


Sehr geehrte Leserschaft,

manchmal muss es eben groß und türkis sein. Groß und türkis – so wie die mütterlichen Augen in meinen Erinnerungen an alte Zeiten. Augen, die Mystik und Zuwendung ausstrahlen. Blendende Augen wie Laser im Farbton zwischen blau und grün.

Da seid Ihr Deutschen aber ohnehin pedantisch. Ich gehe davon aus, dass keiner von Euch weiß, ob meine Mutter nun blaugrüne, grünblaue oder türkisfarbene Augen gehabt hat. Daneben könnten wir noch über Eisgrün, Eisblau, Seegrün, Cyanblau, Aquamarin, Lichtblau und Türkisblau diskutieren. In Italien würde die Augenfarbe wohl “azzurro” genannt und in den ostasiatischen Sprachen gäbe es eine wilde Auswahl anderer Mischverhältnisse. Ich bin jedenfalls schon glücklich über den großen Wortschatz, den ich mir auf deutsch angeeignet habe.

Groß und türkis, so wie Mamas Augen, wirkt auch die Karibik kurz bevor man auf der Erde landet. Riesige Flächen schimmernden Türkis´. Äußerlich gibt es einige Gründe, auf der Erde einen Zwischenstopp einzulegen. Auf Weltraumreise ist die Augenfarbe der Mutter zumindest ein guter Grund hier zu halten. Hach, die Augen der Mutter. Unverwechselbar und auffallend.

Manchmal müssen aber auch Aliens in ihrer weltlichen Umgebung auffallen. Üblicherweise sind wir ja um eine bedächtige Unauffälligkeit bemüht. In einem Land, in dem Äußerlichkeiten immer noch viel zu häufig die persönlichen Chancen bestimmen, gehört das nunmal zum Einmaleins eines sicheren Lebensplans. Nicht umsonst ist im Immigrationsland Deutschland die Integration Außerirdischer nirgends erwähnt. Kein Wunder also, dass sich die meisten meiner Schicksalsgenossen pedantisch verstecken und sich nicht vor die Tür trauen. Anders lief es jedoch mit meinem Kollegen Alf. Auch er wagte den Schritt in die Öffentlichkeit und hatte vor 20 Jahren sogar seine eigene Sitcom im Fernsehen. Dagegen komme ich mir hier mit meiner Schuhkolumne ziemlich mickrig vor.

In einer von Alfs Folgen kämpft mein Bruder im Fell persönlich gegen eine Riesenkakerlake. Ich glaube zwar, dass die Bewohner vom Melmac die Quälgeister verehren, denn immerhin war der Song “Der Himmel war so blau, wie die Augen einer Kakerlake” dort echt lange auf Platz 1 der Hitparade. Ich sage Euch das aus erster Hand, Weltraumempfänger sei Dank. Bei uns aber werden die Dinger jedenfalls genauso gejagt wie hier bei Euch! Jedenfalls sieht das monströse Viech zum Ende der Folge alleine durch seine Größe mindestens so anmutig aus, wie die Pumas Sky Hi +, die ich Euch in dieser Ausgabe vorstelle. Diese futuristischen Basketballschuhe im Retrolook sind eine gelungene Mischung aus 2001: Odyssee im Weltraum und dem Atzenpop-Chic. Also genau das Richtige für vulgäre Fellknäuel wie mich. Aber nicht nur die Größe lässt eine Parallele zu den ekelhaften Insekten zu. Denn wo Mütter mit ihren türkisblauen Augen als Sinnbild für Achtung und Zuwendung stehen, sind blaue Kakerlakenaugen ein Zeichen für eine Eigenschaft, die sie nur noch unausstehlicher macht: blauäugige Kakerlaken können nämlich fliegen!

Ich glaube aber, dass Alf die Flugfunktion bei seinem Tier erspart geblieben ist. Niemand möchte große, türkisfarbene Objekte durch die Luft fliegen sehen. Egal ob es sich dabei um die mannshohen, sechsbeinigen Monster mit ihren starren blauen Augen handelt oder um die Sky Hi +, von denen eher anzunehmen wäre, dass sie ernsthafte Schäden beim Ziel hinterlassen. In der Hinsicht möchte ich noch ein letztes Mal die Schuhe mit den Kakerlaken zusammenkommen lassen. Als diskriminierte Minderheit in Deutschland kenne ich nämlich nur ein Gesetz – das Gesetz der Straße: Nach oben buckeln, nach unten treten. Mit diesen massiven Schuhen sorge ich nämlich durch herzhaftes Zutreten für die Lösung bei akutem Insektenbefall. Das dürft Ihr nur nicht meiner Mutti erzählen.

Euer Schuhbacca

Grafik Vinent Britz

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Miron Tenenberg

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