proud magazine #22

von Redaktion


Berlin, Januar 2011. Lisa (Name geändert) lebt schon ihr ganzes Leben in Kreuzberg und ist immer im Trend – sehr cool. Ein total weltoffenes Mädchen und so. Nur die Touri-Spanier kann sie nicht leiden. Wie denn auch? Was denken die sich eigentlich? Kommen einfach in unser cooles Berlin und feiern in unseren Discos? Das geht gar nicht klar! Spanier! Keta Touris! Geht zurück in eure Heimat! Berlin für die Coolen. Aber Vorsicht. So bald ein leicht rassistischer Witz gemacht wird, unterbricht sie, mahnt, so was sei gar nicht cool. Als 36‘ger Girl ist man auch ein weltoffener cooler Hippie und Rassismus ist ja bekannter Weise voll für’n Arsch. So ein cooles, weltoffenes Mädchen wie Lisa hat natürlich über 600 noch viel coolere Freunde auf Facebook. Vielen von ihren Facebook Buddys ist sie im realen Leben noch nie begegnet, macht aber nichts, 600 Facebook Freunde sind cool fürs Image. Von wegen Beliebtheit und so. Natürlich besitzt sie ein Macbook (viel einfacher als Windows –- und cooler).

Leider bedeutet das noch lange nicht, dass sie es hinbekommt ihren Freunden die „richtigen“ Fotos auf Facebook zu zeigen. Nach dem Sie eines Abends ein paar schöne, coole Profilbilder gemacht hatte, diese mit den sehr kreativen, selten gesehenen (coolen) Effekten von Apple unterlegte und diese hochladen wollte, geschah das Schreckliche. Was sie eine halbe Stunde später bemerkt: die Fotos, die sie so eben hochgeladen hatte, stammen von intimeren Fotosession. Scheiß iPhoto. Nacktbilder. Total uncool. Nacktbilder, die sie für eine halbe Stunde all ihren 673 coolen Facebook Freunden zur Verfügung stellte. Plus Mama. Das war natürlich sehr uncool. Auch durch ein richtig cooles Trendhippie Image nur sehr schwer gut zu reden. Folgedessen löscht Lisa alle Facebook Freunde (und die Nacktbilder), die sie nicht wirklich kennt. Es ist eh viel cooler nur 90 Freunde auf Facebook zu haben.

Und die Moral von der Geschicht? Aufgesetzte Coolness bringt auch auf Facebook nichts.

PS: Da Kreuzberg seit einiger Zeit zu Mainstream geworden ist (siehe Artikel „The reebirth of Kreuzberg’s cool“ in dieser Ausgabe) wohnt Lisa nun schon seit einem Jahr in Neukölln. Neukölln ist das neue Kreuzberg!

Cim Topal

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Redaktion

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