proud meets Blumio

von Lev Nordstrom


Im Netz rockt er die Videoportale hoch und runter. Im Video rockt es seinen Hund aus dem Fenster und im Interview erzählt uns Blumio, warum er es einigen reinrocken musste. Mit seinem neuen Album „Yellow“ zieht der 24-jährige Hiphopper durch Deutschland. Proud traf ihn und fragte nach den japanischen Insidertipps für Etchi-Mangas.

Okay Leute, let‘s go, let‘s go, let‘s go! Darf ich mir die erste Frage selber stellen? (schaut kopfüber auf das Interviewmanuskript, dort steht „yellow“) Blumio, warum immer dieses Yellow? Ist das wirklich nur auf deine asiatische Herkunft bezogen?

Nee, gar nicht.

Warum hast du dein Album „Yellow Album“ genannt?

Nee, auch nicht.

Warum… Was hat ein Asiat mit der Müllabfuhr gemeinsam? – Den gelben Sack! (Stille, dann Lachen)

Nee, wir wollen eigentlich mit deiner Prollo-Vergangenheit anfangen. So nett wie jetzt warst du doch nicht immer.

Ich war voll kein nettes Kind. Ich war echt ein Scheißkind.

So wie Rafael, der Atze aus dem Antigewaltsong? Denkst du dir solche Charaktere aus?

Jeder hat den persönlichen Rafael in seiner Gegend, aber die Realität ist meistens nicht so spannend. Ich übertreibe das, ich überspitze das. Es sollen Comiccharaktere daraus werden.

Hast du denn viele Comics gelesen?

Ich habe früher immer Mangas gelesen, die wir aus Japan geschickt bekamen: Dragon Ball und so. Aber es gab natürlich noch ganz andere Sachen, wie Sailor Moon – nackt und mit Möse.

Und, magst du lieber Alien- oder Roboter-Sex?

Ich mag Menschen! Ich bin brustfixiert, deshalb gibt es auch den Song „Ich liebe deinen Busen“. Ich bin wirklich sehr brustfixiert. Da habe ich natürlich immer die Mangas genommen, in denen schöne große Busen waren – ich war Nächte damit beschäftigt (lacht). Es gibt in Japan dicke Comicbücher aus ganz vielen Fortsetzungsgeschichten. Natürlich auch für Porno-Mangas. Ziemlich jung bin ich in so einen Laden reinmarschiert, habe mich da mit Herzklopfen hingestellt und hatte echt Angst, dass der Verkäufer mich nach meinem Alter fragen würde. Hat er aber nicht und ich bin schnell abgehauen. Dann auf die Toilette und alles war cool (lacht laut). Das war halt als kleiner Junge voll geil.

Musstest du dir mit dem Busenlied eine Hiphop-Nische offenhalten?

Ich bin einfach ein extremer Busenfetischist und jeder andere Hiphopper macht sowas mit „asses on fire“. Ich wollte diesem Körperteil einfach eine Hommage widmen. Ich meine es ist doch cool, wenn eine Frau einen Song über Schwänze oder Knackärsche macht. Da fühle ich mich doch auch nicht auf meinen Arsch reduziert! Ich rappe doch nichts Frauenfeindliches – also in meinen Augen.

Hattest du als Kind viele Konfrontationen mit Feindlichkeit?

De-fi-ni-tiv! Die Leute auf der Straße, sahen nur die Schlitzaugen in mir, den Jackie Chan oder was sie damals kannten. Mittlerweile ist‘s ja ein bisschen offener. Da gibt‘s dann ein bisschen Tokio, Manga, Sushi, hi, ha, hu, bisschen interessante Welt. Damals waren es nur Wok, chinesisches Essen und Kung Fu. Wirklich, jeden Tag gab es auf der Straße blöde Kommentare von irgendwelchen lustigen Kindern. Anfangs fragte ich meine Mama, warum die das immer sagten und ich nicht auch ein Deutscher sein konnte, später kam die Phase, in der ich jedem auf die Fresse hauen wollte, der irgendeinen kleinen Spruch machte.

Hast du es auch gemacht?

Ja. Es wurde mir irgendwann zu doof. Aber ich bin einfach kein gewalttätiger Mensch und hatte danach immer ein schlechtes Gewissen. Es war vielleicht auch etwas übertrieben, aber durch die Masse wurde ich schnell gereizt. Mittlerweile bin ich 24, da macht mich keiner mehr mit Schlitzauge an.

Was macht dir heutzutage noch Angst?

Meine größte Angst ist unterzugehen, in der Masse zu versinken. Dass mein neues Album gar nicht erst gehört wird. Wir hatten eben keine Promotion-Maschinerie und nur ein Null-Euro-Budget. Die Kameras liehen wir uns von Freunden und haben irgendwelche Sachen versucht. Aber die Ideen waren gut und dadurch haben wir es irgendwie geschafft. Auf YouTube ging es dann los.

Wo du auch in letzter Zeit bisschen Beef hattest…

Ja, das stimmt. Aber was heißt Beef? Ich wurde gedizzt!

Wegen deinen Inhalten oder deinen Skills?

Nein, einfach als Mensch. Weil ich existiere. Nur selten steckt ja ein echter Grund dahinter. Dann fände ich es ja noch okay. Aber nicht, damit du berühmter wirst.

Greift es dich dennoch an?

Nein. Ich finde es nur traurig, weil die sich ja dadurch etwas erhoffen, anstatt sich mal hinzusetzen, sich wirklich mit der Materie befassen und versuchen besser zu werden. Das war mein Wunsch. Ich wollte besser werden, als die anderen. Ich wollte, dass mein Album geiler ist, als deren Album. Die versuchen einfach Leute zu beleidigen und denken, das hat denselben Effekt. Das ist traurig, das ist dumm. Denen ist nicht zu helfen. Die tun mir leid.

Und du bist da anders?

Ich bin nicht der Typ der besonders laut immer und überall seine Meinung sagen muss. Wenn ich keine Ahnung habe halte ich schön meine Klappe. Wenn es aber um meine Musik geht, stehe ich 100-prozentig dahinter. Ich habe mir über jede Zeile einen verfickten Gedanken gemacht und wer dann etwas dazu zu sagen hat, hat es einfach schwer gegen mich argumentativ zu bestehen.

Könntest du auf japanisch argumentativ bestehen?

Aber sicher.

Hast du einen deutschen Akzent? Nein.

Hä, warum das nicht? Wie kann man keinen Akzent haben, wenn man in Deutschland groß wird?

Weil ich mit meinen Eltern immer japanisch redete. Ich war zwar in einem deutschen Kindergarten, ging dann aber auf die japanische und später auf eine deutsche Schule. Samstags lernte ich die japanischen Schriftzeichen und hing mit meinen Japanerkumpels ab. Ich kann zwar immer noch fließend sprechen, aber nur ein wenig lesen und schreiben. Für die Mangapornohefte reicht es! (lacht) Ich schau eh nur auf die Titten.

blumio.net

Interview: Miron Tenenberg und Lev Nordstrom

Grafik: Vinzent Britz

Lev Nordstrom

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