On the road with a radio skater

von Redaktion


Flirrende Luft am Horizont. Sommersonne. Kühlender Wind. Mit dem alten, weinroten Golf 2 fahre ich auf der Autobahn nach München. Einer meiner Mitfahrer ist ein Radioskater. Er wird heute Abend auf einem Skatecontest fahren. Wir anderen begleiten ihn und wollen uns betrinken. München kann ja nichts für einen Berliner sein. So viel steht völlig unhinterfragt fest.

Der Wettbewerb ist interessant. Mehr muss man nicht sagen. Wir sind betrunken. Schnell noch einen Schlafplatz für die Nacht finden, was gar nicht so einfach ist, wie sich herausstellt, da alle Übernachtungsmöglichkeiten bereits geschlossen sind. Im Auto sitzend überlegen wir uns einen Schlachtplan. Fahren können wir definitiv nicht mehr. Plötzlich drückt sich ein betrunkener Münchener an unsere Scheibe und faselt etwas von einer Mausefalle am Ende der Straße. Danke, betrunkener Münchener.
Die Polizei soll ja unser Freund und Helfer sein und wir stecken in diesem Moment wirklich in einer Misere. Da kann es nicht schaden, so unsere gemeinsame Überzeugung, einfach mal um Rat zu bitten. Geringe Erfolgsaussichten einkalkuliert. Mit leichten Artikulationsschwierigkeiten um die Auskunft nach einem nächtlichen Schlafplatz bittend, versuchen wir möglichst zivilisiert zu wirken. Anscheinend erfolgreich, denn die heiße Polizistin fragt, ob wir uns für fahrtüchtig halten würden. Es fällt mir schwer mein Lachen zu unterdrücken. Die gute Frau weiß natürlich sofort, was geht und schlägt mir vor, einfach einen Alkoholpustetest zu machen. So wären wir uns sicher. Ich frage mich nur, wie viel Promille man nach einer halben Flasche guten Wodkas wohl hat. Ich puste in das beschissene Ding, bis es endlich piept. Sie liest das elektrische Anzeige-LED ab und sagt etwas wie: „Kannst noch fahren, gerade mal!“
0,2 Promille. Scheiße. Das Ding muss kaputt sein. Ich hackenbreit und die Polizei sagt mir, ich solle jetzt Auto fahren. Ich kann doch kaum gerade gucken. Mit einem gewissen Drängen in der Stimme empfiehlt mir die Frau, einfach in den gegenüberliegenden Park zu fahren und dort eine Nacht zu zelten. Einfach so in München? Eine Nacht im Park zelten? Wie bitte? Fuck it, sie sagt’s, ich mache es einfach. München, nee! Jetzt einfach los, die 800 Meter werden ja nicht das Problem sein. Dann ist der Spuk vorbei. Nach bereits 400 Metern die große Wende. Eine andere Polizeistreife, die nichts mit der Mausefalle zu tun hat, möchte uns gerne mal sprechen. „Bitte folgen“. Ich drehe durch. Bekomme vor Schreck die Musik aus den Boxen nicht mehr leiser und hinter mir, auf dem Rücksitz, sind die ersten zwei vor Suff schon eingeschlafen. Egal, Schicksal ist eben Schicksal. Und das ist eben doch München. Ich ergebe mich und steige aus dem Auto.
Finde die ganze Geschichte komplett bescheuert und bereite mich auf eine Nacht der Formulare und bayrischen, kopfschüttelnden Polizisten vor. Ich kann es nicht glauben. Plötzlich fährt die heiße Polizistin vorbei, ruft ihrem Kollegen zu, dass sie uns schon kontrolliert habe und alles okay wäre. Ich kann es nicht glauben. Schnell die Zelte aufgebaut und Rausch ausschlafen. Am nächsten Morgen schnorrt uns eine Pennerin mit dem Hinweis an, dass wir auf dem Gelände des BKA zelten. Damit wird doch kein Berliner fertig.

radioskateboards.de

Redaktion

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