Mode Chat mit Paula Immich

von Ida Westheuser


Die Arbeitsweise von Paula Immich ist so spannend wie leidenschaftlich – mit Haut und Haar. Voll und ganz, aber niemals zuende. Presque fini. Das ist, was sie antreibt, das immer präsente Gefühl noch mehr schaffen, noch mehr kreieren zu wollen. Ob man es Suche nennen mag, oder Weg zur Verwirklichung. proud besucht die Designer in ihrem Atelier in der Brunnenstraße 53.

Kommen hier überhaupt Leute vorbei?

Noch nicht. Das Stück zwischen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße hat sich schon ganz gut gemacht, aber hier dauert das noch. Aber es hat auch riesen Vorteile: als ich noch in der Kastanienallee war und dann nach stundenlanger Arbeit rauskam, habe ich mich immer gefragt was ich falsch mache, wo andere den ganzen Tag in Straßencafés sitzen. Möchtest du Kaffee? Sieh dir mal mein Atelier an!

Wow das sind aber tolle Stoffe! Kaufst du einfach Stoffe, die dir gefallen, oder hast du für jede Kollektion ein Konzept nachdem du vorgehst?

Ich kaufe auch Stoffe, wenn ich vorher noch nicht weiß, was damit passieren soll. Dann stecke ich Ihn an der Puppe ab um zu erfahren was für einen Charakter der Stoff hat. Ich sehe mir an wie er fällt, drapiere und stecke ihn neu ab, dann kommen mir schon die ersten Ideen. Ich suche zu welchem Stoff er passen könnte und versuche mir Schnitte vorzustellen. Man könnte sagen ich arbeite total experimentell!

Das ist ja wie Bildhauerei!

Ja, ich modelliere quasi an der Puppe, ganz intuitiv, und da gibt es für mich kein Halten mehr… Und danach, mit ein bisschen Abstand, kommt dann das Reflektieren. Und das Verändern.

Wird man mit dem Erfolg mutiger?

Echter Mut entsteht eher in den Zeiten, wo sich der Erfolg noch nicht so stark eingestellt hat. Es ist der Moment, indem man trotz aller Schwierigkeiten für sich entscheidet, sein Ding zu machen. Was nicht heißt, dass ich vorher genau weiß wie alles aussehen soll, jede neue Kollektion ist sozusagen ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang . Seit den Anfängen sind meine Modelle subtiler geworden und die Farben differenzierter. Ich arbeite gerne mit Farben, die einen Schwarzanteil haben, denn sie drücken für mich eine gewisse Tiefgründigkeit – manchmal auch Abgründigkeit- aus.

Du hast auch einige Jahre in Paris gelebt. Wie hast du die Unterschiede zu Berlin erlebt?

Der Unterschied zu Berlin ist, dass es dort Geld gibt. Das merkt man an der Mode auf den Straßen, den Modeschauen und dem ganzen Modemarkt. Die Berliner können zwar ihre Humana-Teile gut kombinieren, aber Geld gibt keiner aus. Das macht es nicht wirklich einfach hier zu arbeiten.

Warum machst du es dann?

Auch ich spüre diese kreative Energie! Hier passiert was und es sind schon tolle Zusammenarbeiten entstanden, zum Beispiel das Shooting für die aktuelle Winterkollektion „Mit Haut und Haaren“. Ich mag diese Standart-Modeshootings nicht und meine Ideen haben sehr gut mit denen der Fotografin harmoniert. Für die Kollektion „Schwebend werden“ (SS/10) haben wir ein Video gemacht, was eine tolle Möglichkeit ist, da man so Menschen auf der ganzen Welt erreichen kann. (www.paulaimmich.de)

Wie kam es denn zu dem Namen der Kollektion?

Als erstes war die Idee, dass ich in Richtung Rokoko gehen möchte. Während des Recherchierens bin ich auf einen Text gestoßen, der den Übergang von Barock zu Rokoko mit den Worten „ein schwebender werden der Formen“ beschrieben hat. Ich finde es sehr lustig, was mit Sprache alles möglich ist.

Ja, das stimmt! Aber dieser Stoff sieht wirklich aus als könne er schweben, superschick!

Ida Westheuser

Ida Westheuser

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