Miss Platnum

von Redaktion


Was wolltest du mit deinem aktuellen Album ändern?

Mein Hauptaugenmerk war, dass ich die Musik selbstverständlicher und souveräner machen wollte. Viel mehr wie Miss Platnum auch live klingt. Wir haben mit dem Balkanorchester Boban und Marko Markovic und später noch selber in Berlin viel Schlagzeug aufgenommen. Beim alten Album haben wir viel gesampelt, weil wir nicht die nötigen Mittel hatten. Das hat zwar auch seinen Charme aber ich finde, jetzt ist es runder geworden. Ich finde es viel homogener.

Was erlebt man mit einer originalen Balkanband im Studio?

Die waren total lieb und lustig. Die haben sich von einem einzigen Gericht ernährt, ein fetter Burger mit einer riesigen Bulette und Käse, ohne Salat. Das war das Einzige was sie gegessen haben. Ich hab ́s kein einziges mal probiert weil ich es zu eklig fand. Das war strange und lustig. Ansonsten waren sie sehr aufgeschlossen und professionell. Das sind unglaubliche Musiker, ohne irgendeine Ahnung von Musiktheorie zu haben.

Miss Platnum by Mood-for.fr

Wie wichtig ist dein Umfeld für deine Musik?

Mein näheres Umfeld ist am wichtigsten, eben die Krauts, meine Produzenten. Wenn zu viele Menschen ihren Senf dazu geben, verwirrt das. Ich freu mich, dass ich viele Musiker kenne und wir befreundet, bzw. so eine Art Clique sind. Aber ich versuch in so einem Prozess, wenn ich ein Album mache, immer auf mich zu hören. Jeder der was dazu sagt, hat immer seinen eigenen Blickwinkel. Ich hör mir das an aber denke dran,dass das mein Ding sein muss, meine Musik. Mein Umfeld ist wichtig aber wenn ́s um meine Musik geht lasse ich mir eigentlich nur von meinen Produzenten was sagen.

Welche Rolle spielt da Peter Fox?

Er ist jemand, der mir den kleinen Finger reicht und ich nehm die ganze Hand (lacht). Das ist bei uns ein Nehmen und Geben, ein ständiger freundschaftlicher Austausch. Das hat bei Come Marry Me angefangen, wo er das erste mal noch als Pete Fox gesungen hat. Wobei wir davor schon befreundet waren und ich davor schon für Seeed gesungen habe. So hat sich das ergeben, dass ich als Backgroundsängerin mit ihm auf Tour gegangen bin und selber noch Songs performt habe.

Die Geschichte von deinem letzten Hangover?

Die Feier nach dem Nachdreh für das „babooshka“-Video letzte Woche. Wie man ́s halt so macht, sind wir mit der Crew noch was trinken gegangen. Ich war zwar der Meinung, dass ich gar nicht viel getrunken haben aber am nächsten Morgen sah das ganz anders aus. Wahrscheinlich weil ich zu erschöpft war. Einen Hangover zu haben kann richtig scheiße sein, aber es kann auch was Gutes haben. Gerade nach einer richtig guten Party, wenn man sich dann nochmal an alles erinnert.

Dein intensivster Moment als Miss Platnum?

Ich find ́s total intensiv und spannend, wenn Songs aus dem Nichts entstehen. So wie es auf der Rückfahrt von Rumänin war, dann die CD einzulegen, das ist schon geil. Ich überlege zwar vorher, woraus das Album bestehen kann aber was dann wirklich passiert, weiß man nicht und kann man auch nicht planen.

Miss Platnum – Mercedes Benz (Nifty Fine Bootleg) by Nifty Fine

Gibt Miss Platnum dir privat Mut?

Ja, das begünstigt sich gegenseitig. Es ist so, dass ich mich manchmal durch Miss Platnum aus der Reserve locke. Falls ich mal nicht in der Stimmung bin ein Konzert zu geben, weiß ich, dass 26 chat jetzt Miss Platnum-Time ist. Das hilft auch beim Texte schreiben, dass ich mich nicht nur um meinen eigenen Brei drehe und das was aktuell bei mir los ist. Ich finde es langweilig, wenn ein Thema so abgewälzt wird. Da hilft mir Miss Platnum auf andere Gedanken zu kommen. Natürlich ist Miss Platnum auch Inhalt meiner Persönlichkeit, aber sie ist halt nicht immer da. Genauso wie ich nicht immer schüchtern bin.

Wie privat sind deine Texte?

Die Texte über Trennung sind zu diesem Zeitpunkt fiktiv. Aber natürlich hab ich so was schon erlebt. Sonst könnte ich mich nicht damit identifizieren oder darüber schreiben. Wenn so was in meinem Umfeld passiert, reicht mir das auch einen Text zu schreiben.

Brauchst du die bunten Outfits um in die Rolle Miss Platnum zu schlüpfen?

Nein. Ich bin ein sehr vielseitiger, facettenreicher Mensch. Natürlich hab ich nicht immer Lust im Pelzmantel durch die Gegend zu laufen. Das leb ich sehr gerne auf der Bühne, in Videos oder bei Fotos aus. Ich finde das auch spannender für eine Bühnenfigur, als Jeans und T-Shirt. Aber ich find ́s auch cool in Jogginghose durch Kreuzberg zu laufen und fühl mich dabei gut. Ich spiele gerne mit verschiedenen Gesichtern und probier gerne aus. Auch mit verschiedenen Frisuren, selbst wenn ich im Nachhinein denke: Gott was war das denn. Aber ich find ́s spannender als immer gleich zu sein.

Wie wichtig ist dir Image?

Ich glaube ich habe mit meinen Alben klar gemacht, dass Miss Platnum nicht wirklich eindeutig eins ist aber es einen roten Faden hat. Es gibt mehrere Gesichter, mal ist es Balkan, mal RnB, mal Elektro. Ich spiele damit. Ich mache Musik als Künstlerin, probiere rum und Balkanmusik ist das Grundgerüst. Das macht mich auch aus. Ich finde Miss Platnum steht für eine weltoffene Frau, die im RnB und HipHop ein anderes Frauenbild verkörpert.

Die Macht der Frau?

Frauen können meistens subtiler Dinge lenken so, dass Männer das gar nicht merken. Frauen haben oft ein feineres Gefühl für Dinge und sind taktvoller. Das kann Frauen auch im Weg stehen oder von Vorteil sein. Sie können auch gute Chefinnen sein. Was ich im Prinzip auch bin, ich leite ja auch meine kleine Firma. Die Band, das Label, mein Management, das muss alles unter einen Hut gebracht werden. Ich glaube, Frauen sollten sich viel mehr trauen. Gerade in meinem Business gibt’s nicht viele Frauen die sich trauen ihr maul aufzureißen, ihre Meinung zu sagen. Für mich ist es wichtig, dass ich mich in wichtigen Momenten gar nicht als Frau betrachte, sondern als eine oder einer der anderen, eine Kollegin.

Dein ganz persönliches Bild von Rumänien?

Sehr warm, herzlich, natürlich und auf eine Art rauher.

Worauf bist du stolz?

Auf das was ich erreicht habe. Punkt.

www.fourmusic.com

www.missplatnum.com

www.myspace.com/missplatnum

Text und Layout Denise Ankel


Ruth Maria Renner
1980
Rumänien, Berlin
R&B, Hip Hop, Folk, Balkan Beats
Album: The Sweetest Hangover

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Redaktion

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