Interview mit Chrisse Kunst

von Benjamin Gruber


Sein Name ist Program, denn er heißt Kunst, ist Plattensammler, bekennender Vinyl-Junkie, Querdenker, passend dazu Wahlberliner. Wir haben ihn im „Süss war Gestern“ auf zwei Bier getroffen und ein bisschen philosophiert.

Du heißt ja mit bürgerlichem Namen Christof Kunst, bei dem Namen ist dir das Zeichnen ja praktisch in die Wiege gelegt, seit wann malst und zeichnest du?
Eigentlich schon immer, während die anderen in der Schule aufgepasst und mitgeschrieben haben, hab ich immer nur gezeichnet.

Gibt es nen Zeitpunkt in deinem Leben, an dem du nicht zeichnest? 
Ja, auch Künstler brauchen Urlaub und da zeichne ich dann nicht; allerdings fehlt mir das dann auch nach so zirka zwei Wochen.

Vom kleinstädtischen Wolfenbüttel ins Moloch Berlin: was hat dich hierher verschlagen? 
Ich bin schon 1998 nach Berlin gezogen, vor allem das Großstadtleben hat mich angezogen, dann natürlich mein Zivildienst, und das Architekturstudium an der UDK…etc – was einen eben so raustreibt.

Was gibt dir Ideen für neue Projekte, woher kommt deine Inspiration. 
Das sind zum einen Künstler wie Chris Ware, der mich grafisch stark beeinflusst, allerdings inhaltlich weniger. Auch beeinflussen mich Architekturströmungen und Jugendstil, sowie Künstler wie Alfons Mucha zum Beispiel. Außerdem auch die Musik und der Style des Psychedelic Rock alla Greatful Dead,was mir auch immer wichtig ist, ist was gerade so gesellschaftlich und politisch passiert.

Und was gibt und gab es gerade für aktuelle Projekte von dir? 
Eine Ausstellung von mir im Hip Hop Vinyl Laden in der Revaler Straße, dann organisiere ich gerade den Vertrieb für mein Wir(R) T-Shirt Label, auf dem bereits 10 T-Shirts rausgekommen sind und bald weitere folgen. Ich zeichne auch weiter Plattencover für das „Stil vor Talent“- Music Label und hab Interiordesign für das „Süss war Gestern“ in der Wühlischstraße gemacht. Für die Süddeutsche Zeitung habe ich das Berghain gezeichnet und für GRAVIS nehme ich an der “Ein Unikat” Aktion als teil.

Ich hab mal gehört, du versteckst manchmal Botschaften und kleine Hinweise in deinen Bildern, stimmt das?
Ja, ich mag Suchbilder!

Wie z.B. die Flasche eines der größten Kräuterlikör Produzenten unten links auf unserem proud Cover #04? 
Ja, das ist die Heimatverbundenheit.

Du machst ja auch Comic Strips und Comics, hast einen Lieblingscomic? 
Also, es hat mich als Kind sicher beeinflusst, dass mein Vater viele Asterix und Lucky Luke Hefte hatte, ich war jetzt aber nie so ein großer Fan von Marvel Comics oder dergleichen. Ich hab ja auch zwei Hefte im Selbstvertrieb veröffentlicht, das macht dann aber ne Menge Arbeit. und dabei stand auch der Spaß daran, etwas zu veröffentlichen, im Mittelpunkt.

Ist denn Zeichnen schon immer das gewesen, was du beruflich machen wolltest? 
Naja, wie gesagt, ich hab Architektur studiert, allerdings zeichnet man da heutzutage wenig und es wird einem wenig Spielraum gelassen, vieles wird vorgegeben. Das Kreative kommt dabei meist zu kurz, irgendwie wollte ich dann doch eher mein eigenes Ding machen. Und das mach ich jetzt.

Da fällt mir Lessings Emilia Galotti ein: “Die Kunst geht nach Brot“, würdest du sagen, da ist was Wahres dran? 
Eigentlich nein, oder doch ein wenig, es gibt ja viele Auftragsarbeiten – aber meist hat man schon sehr viel kreativen Spielraum, so wie bei eurem Cover.

Du bist Vegetarier und stolzer Besitzer von zwei Hasen, liebst du Tiere zu sehr, um sie zu essen? 
Ja, das ist ziemlich gut und treffend formuliert!

Was ist dein Lieblingsplatz in Berlin? 
Das ist echt schwer zu sagen, aber da ich ja aus der Kleinstadt komme, bin ich doch meist in meinem Kiez in Friedrichshain unterwegs. Was könnte dich aus Berlin wegbringen? Momentan absolut nichts, weil es zu schön ist hier zu leben. Auf lange Sicht wären mehr Sonne und Meer aber ein guter Anreiz.

Benjamin Gruber

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