Big egos need room

von Miron Tenenberg




Wie gerne wäre ich ein bisschen Mitte, nur ein Hauch Fashionista! Diesem Drang sträube ich mich jedoch mit allen Mitteln. Keine zuordnenden Ticks und Trends, lieber zeitlos einen Style verfolgen, bei dem es keine Prinzen und Prinzessinnen gibt, die einem die Trends vorgeben. Kreuzberg bleibt frei – ich auch! Ein kurzer Bericht über den Untergang in der Berlin Fashion Wave.

Aktuelle Mode besteht schon immer daraus, Peinlichkeiten mit Selbstverständnis zu präsentieren, bei Misslingen auch zu überspielen. Das ist aber nicht echt und als Kreuzberger mag ich so ein flatteriges Herumgetue nicht. Nie trug ich enge Karottenhosen, mochte Presswürste noch nie und liebe es lieber lockerer. Es muss ja nicht jeder gleich sehen in welche Richtung ich meinen Schwanz trage. Außerdem habe ich keinen britischen Haarschnitt und will auch nicht im V-Ausschnitt gesehen werden. Das passt nicht zu meinem Selbstverständnis, eben nichts Peinliches anzuziehen, was ich später mit meinem Ego abdecken muss. Dennoch will ich so eine Plusterhose schon lange haben. Ich besitze zwar eine grüne Sporthose, die diesen Zweck erfüllt, aber ich will eine echte Einkackhose haben.

Nun besitze ich also meinen MC Hammer mit aktuell-urbaner Note. Nun bin ich wieder wer, egal wo ich auftauche. In meiner Nachbarschaft habe ich sowieso Hausrecht, da grüßen alle freundlich. Wer das nicht tut, der wird schief angeschaut und plötzlich wirkt meine blaue Denim wie die Sporthose eines Muskelpumpers. Downtown 36 sehe ich wie einer der Kreativen aus, die – gedüngt durch die Gentrifizierung – immer mehr aus allen Ecken hervorsprießen. Ich könnte aber auch Sprayer auf dem Weg zur Auftragsarbeit sein. In Mitte gehöre ich jetzt wieder dazu. BFF – best friend forever! Ich stehe also morgens in Mitte und bestelle mir gerade meinen Latte-Togo, dabei sehe ich eine Mutter, vor sich hin meckernd, die Hose ihres Sohnes hochziehen. Wie sieht denn das aus, lass sie gefälligst nicht so tief hängen. Der Junge stottert ihr entgegen, dass ich meine Hose doch auch so tragen würde und zeigt auf mich. Die Mutter mustert mich missgünstig. Ihr Blick schreit, dass aus dem ja auch nichts geworden ist, zieht ihr Kind hinter sich her und verschwindet aus meinem Interaktionsbereich. Ich räuspere mich hörbar und schüttle ein wenig meine Statur auf. Schaue an der Café-Theke entlang und präsentiere mich mit dem natürlichsten Selbstverständnis. Kreuzberg bleibt frei.

geppebba [mod.8 – denim]

100% Baumwolle

Erhältlich in den Größen S bis XL

geppebba.com

Text Miron Tenenberg

Miron Tenenberg

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