Achording to Youth – proud telefoniert mit Isolée

von Lev Nordstrom


Was ich von Isolée, alias Rajko Müller, besitze sind seine neue Veröffentlichung, ein abenteuerlich verfasster Pressetext von Pampa Records, ein Pressefoto im Hochformat, ein Remix von Mickey Moonlights Love Pattern und eine Grundstimmung die mich in seinen Kompositionen begleitet, umspielt, erfüllt. Nach sechs Jahren Funkstille tritt die Jugend wieder in Erscheinung in Form von Well Spent Youth. Isolée schafft ein atmosphärisch-komplexes Klanggewebe das hinführt, wegführt, verführt, zerführt und wieder zusammenführt. Harmonie in Disharmonie, subtile Schönheit in melancholischem Gewand, eine Antwort in Form eines Fragezeichens, die Grundstimmung des zufrieden seins – nach einem Skype-Interview ohne Bild habe ich jetzt auch noch eine Stimme zur Musik, eine Stimme die aber nichts vorwegnehmen möchte von einer Musik, die sich auf eigenständige Art und Weise so eloquent auszudrücken vermag. Isolée?

Deiner Vorwahl zufolge lebst du in Hamburg. Wie lange denn schon?

Seit Ende 2001. Ursprünglich komme ich aus Frankfurt.

Ich war mir nicht sicher in welcher Sprache das Gespräch heute stattfinden würde. In deiner Bio hatte ich etwas von Algerien gelesen.

Ja, wir können uns auch auf Französisch unterhalten. Das ist aber nicht meine Muttersprache. Ich habe in Algerien damals eine französische Grundschule besucht.

Im Pressetext zu deinem aktuellen Album Well Spent Youth auf Pampa, stand etwas von einem Gefängnisaufenthalt.

Das ist eigentlich eine Story, die sich DJ Koze für den deutschen Pressetext ausgedacht hat, um für gute Unterhaltung zu sorgen.

Dann ist das Interview jetzt wohl zuende, würde ich sagen. Ich hatte mich eigentlich auf dieses Thema gefreut. In Verbindung mit deinem Namen hätte das schon Sinn gemacht. Wieso schreibst du dich mit zwei „E“?

Weil ich die Schreibweise schöner finde. Und weil die Leute dazu neigen gleich alles auf die Person dahinter zu projizieren. Ich wollte ihnen ein paar Steine in den Weg legen und habe mich für die weibliche Form entschieden.

Du meldest dich jetzt nach sechs Jahren mit deinem dritten Album zurück. Was hast du in der Zwischenzeit so getrieben? Wieso kommt das Album erst jetzt?

Ich habe einfach so lange gebraucht. Zwischendurch habe ich immer mal Phasen, wo ich gar nicht so richtig weiß, was für einen Sound ich machen soll und mich auch gänzlich vom Clubgeschehen fernhalte. Das hat aber auch persönliche Gründe. 2007 habe ich mich von Playhouse getrennt, auch aus einem Konflikt heraus, der mich beschäftigt hatte. Dazu hatte ich mir meinen Knöchel gebrochen.

Viele sagen deinem Sound einen hohen Wiedererkennungswert nach. Bist du der gleichen Ansicht? Hast du einen unverkennbaren Sound?

Ich kann das oft selber nicht so gut beurteilen. Ich kann mich nicht wirklich von außen betrachten. Ich denke aber schon, dass manche Stücke, wie jetzt zum Beispiel Taktell, deutlicher meine Handschrift tragen, als das bei anderen der Fall ist. Wenn das so ist, dann freue ich mich darüber, aber es mir nicht so bewusst.

Wobei du schon zu Moll und schiefer Tonalität tendierst.

Ja. Das ist auch schon beim ersten Album so. Da ist auch schon vieles schief. Aber ich finde, so ein bisschen schief macht altbekannte Harmonien interessanter.

Was meinst du mit altbekannte Melodien?

Im Grunde gibt es in der Pop-Musik und auch im House, Harmonien oder bestimmte Akkordfolgen die immer wiederkehren. Wenn man das mal analysieren würde – ohne das ich das je überprüft habe – würde ich vermuten, dass man alle Pop-Songs der letzten 20 Jahre auf eine Handvoll Akkordfolgen reduzieren könnte. Sie funktionieren auf denselben Akkordschemen. So ist das in der elektronischen Musik auch, vor allem im House. Spricht man von Stilen wie Detroit, spricht man eigentlich von bestimmten Harmonieschemen. Ich arbeite auf der gleichen Grundlage, finde es aber gut wenn es mal ein wenig eiert oder schief klingt.

Ist das deine Suche nach neuen Möglichkeiten?

Ich bin auf der Suche nach dem Geheimnisvollen im schon Bekannten. Ich versuche Dinge so abzuwandeln, dass sie sich einem nicht sofort erschließen. Es gibt ja auch andere Akkordfolgen, die bei den Hörern aber nicht die gleiche Wirkung erzielen. Ich glaube jede Generation, auch von neuen Hörern, greift immer wieder auf dieselben Schemen zurück, die besonders euphorisierend wirken. Ich versuche das zu machen, ohne gleich die Musik neu erfinden zu wollen, was dann zu abstrakteren Formen führen würde. Es ist einfach eine andere Art Musik zu hören.

Auf dem aktuellen Album sind wenig Vocals.

Ich habe auch früher nie so richtig Vocals benutzt, weil ich meistens keine zur Verfügung habe. Ich finde das gar nicht so einfach, sich einen Sänger ins Studio zu holen. Dann hat man ganz schnell eine ganz neue Komponente, auch als Person. Sänger sind selbst oft auch starke Projektionsflächen. Ich benutze die Stimmen eher als Sample oder als Slogan. Im Grunde genommen habe ich auch keine Message, die ich vermitteln möchte.

Wie ist das dann mit den Titeln der Tracks? Da machst du dir schon Gedanken, oder?

Ja, aber ich habe keine Message. Es geht mir eher darum ein Spannungsverhältnis zwischen der Musik und der Sprache herzustellen, um die Fantasie anzuregen, oder Gegensätzlichkeit entstehen zu lassen. Ich versuche etwas beim Hörer auszulösen, ohne etwas im Vorhinein zu bestimmen.

Worum ging es dir bei Well Spent Youth? Nostalgie?

Da ging es weniger um mich. Natürlich bin ich letztes Jahr auch 40 geworden und kann nicht ganz von mir weisen, dass ich im Club jetzt oft der Älteste bin. Aber als ich auf Well Spent Youth stieß, fand ich dass die Aussage einen Slogan Charakter hatte und sich als Titel direkt anbot. Klar könnte das auch ein Werbespruch sein. Gleichzeitig hat „well“ jedoch noch einen etwas verhaltenen Charakter. Es hätte schließlich auch „fantastic“ heissen können.

Woran arbeitest du momentan? Was steht an?

Cleptomanicx haben eine Skateboard Videoreihe, die sich Rollen Aller nennt. Teile Eins und Zwei gibt es schon und jetzt steht Teil Drei an. Da bin ich gerade dran. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, da auch die Musik einen ganz anderen Stellenwert einnimmt.

Wo produzierst du?

Zuhause.

Wie sieht denn dein Studio aus?

Es ist relativ karg eingerichtet, ziemlich voll gepackt mit Gerätschaften. Ich habe versucht mir eine ergonomische Arbeitsfläche zu schaffen, dass die Geräte die man braucht auch in Reichweite sind.

Steht da auch sonst noch etwas rum, was dich zusätzlich begleitet, auch visuell motiviert, eine Art Talisman vielleicht?

Also, ich finde ja meine ganzen Geräte sind auch alle irgendwie schön anzuschauen.

isolee.de

PAMPACD001 – Isolée – Well Spent Youth by Pampa Records

Lev Nordstrom

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