A chat with Kilian Kerner

von Ida Westheuser


Ein Gefühl minimaler Dauer. Maximale Intensität des Sinnesrauschs. Der perfekte Moment, in dem alles andere stirbt. Das sind die Sekundenflüge, die das Leben lebenswert machen, die den Designer Kilian Kerner tragen. Doch sein Sekundenflug dauert länger. Er sagt uns, was an seiner Mode Kunst ist und wo die vielen Sterne hin sind.

Seit dem ersten bedruckten Stoffbeutel bis hin zur aktuellen Kollektion mit dem verträumten Namen Tagebucheinträge hat sich einiges geändert: Er selbst behauptet von seiner ersten Kollektion, sie sei grauenvoll gewesen. Warum?

Oh, wo soll ich da anfangen… Nein, also man sollte das ja eigentlich gar nicht so abwerten. Das waren schließlich ganz andere Zeiten. Damals war das ganze nur Spaß für mich und noch nicht das Business von heute. Alles war bunt, bunt, bunt, voller Sterne und Streifen. Ich war 25, lebte in Berlin und hüpfte von Party zu Party. Ich glaube, das hat man doch alles sehr deutlich gesehen.

Wie hast du dich seitdem entwickelt? Geschah das bewusst?

Oh ja, das ist bewusst passiert. Mir ist es sehr wichtig mich von Kollektion zu Kollektion weiter zu entwickeln, was natürlich auch immer von Gefühlen der jeweiligen Zeit beeinflusst ist. Ich beobachte diesen Prozess genau und arbeite dann daran weiter.

Inwiefern spiegeln sich persönliche Gefühle in deiner Mode wieder?

Meine Kollektionen entstehen immer über Gefühlswelten. Ich denke, ich gebe alleine über das Thema sehr viel Preis. In der neuen Kollektion geht es um Tagebucheinträge, die mir fünf sehr wichtige Menschen in meinem Leben anonym geschrieben haben. Es war sehr schön dieses Vertrauen und diese Unterstützung zu bekommen, doch in welchem Teil man was sieht, ist eher meine Sache und das möchte ich auch für mich behalten.

Woher nimmst du, neben dem eigenen Leben, deine Inspiration? Gibt es ein bestimmtes Ritual?

Menschen, die mir sehr viel bedeuten inspirieren mich. In den letzten beiden und in der neuen Kollektion ist es oft der Mensch, den ich liebe. Aber auch meine engsten Freunde oder Menschen, die ich bewundere. Und die 50er Jahre spielen eine große Rolle!

Wie würdest du deine Zielgruppe beschreiben?

Sie ist verliebt ins Leben, weiß, was sie will, ist selbstbewusst und hat Power!

Warum hast du die Bar 25 als Schauplatz ausgewählt?

Von der Bar25 wurden wir gefragt ob wir Lust haben, da haben wir gerne zugesagt. So hatten auch mal die Endverbraucher die Chance, eine Show zu sehen.

Siehst du deine Mode als Kunst?

Oh Gott, nein. Mode zu machen ist mein Leben, aber weiß Gott keine Kunst!

Aber es ist deine persönlich geistige Schöpfung. Ich finde, es ist Kunst.

Ja, vielleicht ist es meine Kunst Mode zu kreieren, die tragbar ist. Aber es ist nicht vergleichbar mit einem richtigen Kunstwerk, wie das zum Beispiel bei anderen Designern oder Malern der Fall ist.

Und wie ist es für dich in der Bild Zeitung zu stehen?

Ach, die Bild Zeitung, die gehört doch irgendwie zum Leben dazu. Ich finde diese Zeitung sehr amüsant :)

Du arbeitest wenig mit Farben. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Wie gesagt, damals gab es nur Farben. Alles war bunt. Das fühlt sich für mich gerade einfach nicht richtig an. Vielleicht kommt das aber auch irgendwann wieder.

Bunt oder nicht, wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Spaß dabei und sind gespannt, wie du die Tagebucheinträge visualisiert hast.

Text Ida Westheuser

kiliankerner.de

Ida Westheuser

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