A bottle of Held Vodka with T.Raumschmiere

von Lev Nordstrom


Der vermeintlich letzte Tag in der Bar bricht an. Wir warten in einer der vielen Ecken und Nischen der Bar 25 auf unsere Flasche Held Vodka, ich und Marco Haas alias T.Raumschmiere. Wir sitzen auf zwei alten, royalblauen Sesseln und warten auf die hereinbrechende Sonne, damit die Fotos auch schön werden. Neben uns liegen zwei Typen knutschend in einer langsam aufreißenden Hängematte. Vor uns spielt ein buntes Mädchen mit einer Puppenbeinprothese. Aus der Tikibar links von uns ertönt ein Song von Bone Thugs-N-Harmony. Ein Typ mit einer silbernen Vogelmaske läuft an uns vorbei und verfängt sich in einem der tiefhängenden Äste. Wie ironisch. Hinter uns ertönt Daft Punk mit Technologic. Die Tikibar kontert mit Cypress Hill und Dr. Greenthumb. Es folgen Biggie mit Hypnotize, Method Man mit The Riddler, Henrik mit dem Held Vodka und Daniel Meteo mit reichlich guter Laune. Samt Shotgläsern und farblich gut abgestimmten Outfits schaukeln wir uns um sechs Uhr morgens durchs Interview. Shitkatapult ahoi!

Dass Dein Name stark an Traumschmiere erinnert, ist gewollt. Das habe ich schon recherchiert.

Sehr gut, nächste Frage.

Wessen Bein ist das denn?

Ihres.

Wie hat sie das verloren?

Das hat sie amputiert bekommen.

Aber es ist doch aus Plastik. Jetzt, heute Abend in der Bar?

Ja. Hier, heute in der Bar, beim Dancen. Sie war Teil der Burlesque Performance heute Abend und hat sich das Bein einfach mal abschrauben lassen. Nach dem Spielen lasse ich mir nachher auch den Arm abschrauben.

Und Vodka als Anästhesie. Cheers! Komm mal rüber zu uns, Daniel. Du kannst auch das Aufnahmegerät halten, oder die Flasche, wie du willst. Marco, du hast das Label Shitkatapult gegründet, erstmal nur für Deine eigenen Veröffentlichungen. Wieso? Haste anderen nicht vertraut?

Genau so war‘s. Ich habe den anderen nicht vertraut und dann gesehen, dass viele von meinen Freunden Musik machen. Aber es ist jetzt 13 Jahre her und es gibt uns immer noch. 1996 fing das an. Daniel und ich sind das Management-Duo.

Und ihr kommt super miteinander aus?

Gar nicht. Cheers!

Wie ist Dein Verhältnis zur Zeit? Fühlst Du Dich vor deiner Zeit?

Ich bin vor meiner Zeit, ja.

Ist es dann nicht schwer ein Publikum zu finden?

Doch. Natürlich. Absolut.

Aber Du würdest auch in einer leeren Halle spielen?

Er würde sogar eine Halle leer spielen, wenn‘s sein muss. Ich würde eine leere Halle auch voll spielen, wenn‘s sein muss. Damit muss man zurechtkommen.

Ich find, wir sollten uns mal voll spielen. Cheers!Du wirst ungern als Techno-DJ bezeichnet?

Ich seh mich nicht so. Ich bin Musiker und versuche coole Musik zu machen. Diese Schubladen machen dann eher die Journalisten auf.

Was bedeutet dann Freiheit für Dich?

Ich bin frei in meiner Musik.

Versuchen Dir Leute reinzureden?

Ja, Daniel.

Und dann hörst Du auch zu?

Nein. Niemals.

So, cheers nochmal! In meinem Glas ist übermäßig viel Eis drin.

Mir wurde gerade wegen dem Held Vodka mein Getränkebändchen an der Tür abgenommen.

Oh, wir haben einen neuen Gast!

Ja, das ist Raz O‘Hara.

Cheers! Du hast da eine Wespe an der Schläfe. Wer hat Dich denn geprägt?

Aphex Twin, zum Beispiel. Ich finde es gut, wenn man nicht unbedingt eingeordnet werden kann. Wenn ich überhaupt Musik höre, höre ich zuhause viel Rock ‚n‘ Roll, Ambient und Jazzmusik.

Geht Deine Musik vom Beat oder von der Emotion aus?

Ich würde sagen eher von der Emotion. Manchmal fängt ein Song bei einem Geräusch an, manchmal eben mit einem Beat.

Warst du schon mal im Gefängnis?

Nein. Obwohl doch, neulich in Hamburg.

Was hast du gemacht?

Angeblich Randale.

War Alkohol im Spiel?

Natürlich war Alkohol im Spiel, aber ich war‘s nicht. Das war eine Verwechslung. Das hat sich dann auch bei der Gerichtsverhandlung herausgestellt.

Wo ist denn der Vodka? Ah, hier. Jetzt spielen die auch noch Cindy Lauper. Komm, wir setzen uns auf die Schaukel. Cheers! #

Cheers, genau.

Legst du jetzt um Sieben noch auf?

Weiß ich noch nicht. Ich glaube ja. Ich wollte mit Daniel ein paar Ambient- Sachen spielen.

Bist du grundsätzlich optimistisch eingestellt?

Ich würde sagen, ich bin ein pessimistischer Optimist.

Also das Glas ist halb voll, obwohl es eigentlich halb leer ist.

Mein Glas ist auf jeden Fall wieder voll.

So, ich trinke jetzt noch einen Vodka und dann schließen wir das hier mal ab. Es ist 6:50 Uhr. Guck mal, da ist ein Rastafari.

Sag mal, hat der Nico Dich schon mal angeschrieben? Unser Promoter.

Nein, ich glaube nicht.

Nee?

Ich glaube, du solltest ihn feuern. Das ist ein gutes Schlusswort: Nico, weiterhin alles Gute für Deinen weiteren Berufsweg! Redaktionshinweis: Nico ist, soweit wir wissen, gesund und bei bester Laune und weiterhin bei Shitkatapult beschäftigt. Cheers Nico!

Interview Lev Nordstrom

Images Richard Kirschstein

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www.myspace.com/traumschmiere


T-Raumschmiere – Sick Like Me by ZH Agency

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Lev Nordstrom

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