Optimistic Melancholy – Proud trifft Hundreds

von Lev Nordstrom


Die wenigen Pressebilder, die von euch im Umlauf sind, sind leicht enigmatisch. Wieso?

Warum das so versteckt ist, ist weil wir über unsere Musik an die Leute herantreten möchten. Die Musik soll den Mittelpunkt von allem bilden. Dafür muss man nicht unbedingt sein Gesicht hergeben. Trotzdem ist uns das Visuelle sehr wichtig, was man dann auch bei unseren Liveshows mitbekommt. Da wir nur zu zweit auf der Bühne stehen kann das sonst schnell statisch wirken.

Ihr seid Geschwister. Wie ist die Rollen aufteilung bei der Musik?

Wir haben durch die Musik einfach verschiedene, neue Rollen dazu bekommen. Als wir noch Kinder waren, gab es eine klare Rollenaufteilung. Ich war die kleine Schwester, Philipp sechs Jahre älter. Philipp ist aber relativ früh von zuhause weggezogen. Es war relativ klar, dass Philipp sozusagen ein Genie auf seinem Gebiet ist, also Komposition und Musik, also brach er die Schule früh ab und fing an Musik zu studieren. Daraus entstand dann mehr eine Freundschaft, wo ich ihn oft besucht habe. Im Prinzip haben wir über 15 Jahre nicht in der gleichen Stadt gelebt. Wir leben erst seit einem Jahr wieder per Zufall in der gleichen Straße in Hamburg. Ich selber bin erst sehr spät zur Musik gekommen. Ich habe schon immer viel in Chören gesungen und auch Lieder und Texte geschrieben. Philipp hat mich auch oft gefragt, ob wir nicht mal etwas zusammen machen wollen, aber ich war einfach noch nicht so weit.

Wie schreibt ihr eure Songs?

Unsere Songs sind schon ein Spiegelbild dessen, was in uns vorgeht. Die Grundstruktur lässt sich Philipp am Klavier einfallen. Ich denke mir dazu eine Gesangsmelodie aus und dann entwickeln wir das zusammen weiter. Ich schreibe auch die Texte und die sind sehr nah an mir dran. Das Elektronische machen wir zusammen. Wir stecken da beide sehr viel rein und die Hauptarbeit besteht im Nachhinein darin das alles aufzuräumen und herauszufinden, was dieses Lied jetzt eigentlich von der Welt will. Wir suchen immer nach Klarheit.

Wovon handeln deine Texte?

Das Hauptthema ist Reisen, aber eher auf einer Meta-Ebene. Der Versuch anzukommen, etwas zu finden, zurückzuschauen. Ich nehme auch oft Geschichten von Leuten, die ich gut kenne, oder Themen die mich beschäftigen. Ich bin aber eher jemand der ein Buch dabei hat, wo ich etwas im gegebenen Moment reinschreibe und dann später etwas daraus bastele. Ich arbeite auch viel mit Metaphern und Bildern.

Und wieso Englisch?

Ich glaube Deutsch wäre mir einfach zu plakativ. Ich mag Englisch sehr, lese auch viel auf Englisch von Paul Auster oder Virginia Woolf. The Waves habe ich zum Beispiel immer dabei. Da gibt es auch wunderschöne Wörter drin, die mich auf neue Gedanken bringen.

Wo würdet ihr eure Musik einordnen?

Als größtes übergreifendes Genre, Elektro-Pop. Vielleicht melancholischer Elektro-Pop mit großer Tanzbarkeit.

Seid ihr Optimisten?

Ja. Melancholie ist aber auch ein Geisteszustand, der beide Seiten vereint. Nicht ganz traurig und auch nicht komplett euphorisch, eher ein hinschauen, eine Art innehalten und das kann man auch fröhlich tun.

Welche Rolle spielt die Natur in eurer Musik und vor allem das Element Wasser?

Wasser ist auch für uns eine Art Ruhepol, ein mit Sehnsucht belegter Ort. In Hamburg gibt’s den Hafen, daher kommt dann auch der Titel I Love My Harbour, weil ich da oft hinfahre, um Texte zu schreiben. Ansonsten sind wir mitten im Wald groß geworden. Das beeinflusst einen dann schon, denke ich.

Wo kommt der Name Hundreds her?

Der Name basiert auf einen Traum, den ich mal hatte. Philipp und ich waren auf einer Wiese. Wir haben ein Spiel gespielt, dessen Regeln ich nicht kannte. Es war wie bei einer Art Zellteilung, wo wir jeweils immer mehr wurden. Irgendwann waren es dann ganz viele Philipps und Evas, die alle durcheinander gerannt sind. Und dann meinte ich zu Philipp am nächsten Tag, „das war echt krass, wir waren Hunderte!“

In Berlin: Hundreds spielen im Rahmen der Fashion Week am 08.07. im Roten Salon.

myspace.com/hundreds
http://www.hundredsmusic.com/

Interview Lev Nordstrom

Styling, Concept, Production Haniball Saliba haniballsaliba.de

Photographer Tobias Schult tobiasschult.com

Location studio-67.com

Lev Nordstrom

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