#16 Editorial

von Richard Kirschstein


Hör IAM rückwärts und denk an was anderes. Wir schließen die Augen und zählen bis fünf. Eine Katze, zwei Geburtstage, drei Gramm, vier Wochen und mehr. Fünf.

Die ewige Wiederkunft als erfüllte Zeit treibt im Kanal. Am Ufer setzt sie sich fest und wird mit dem Staub im Wald aufgewirbelt. Die gleißende Sonne war verheißungsvoll wie nie – Gründe sich zu erinnern, an letzten Monat, berechtigt? Die Argumentation ist nie so gut wie der Gedanke. Vorsprachlich intuierte Wahrheit, dass

Tag und Nacht gleich sind. Die Differenzen sind konstruiert, Inexistenz der Substanz grenzenlos. Ein Holzbrett nur versperrt den Weg, aber uns fehlt das Werkzeug. Kein Strom an der falschen Stelle, wo das Holz nicht hingehört. Es wird mit der Hand gegangen sein müssen. Kein Zweifel.

Nur Bier fließt, Raketen steigen zum Himmel, oder poltern mit den dazugehörigen Trunkenbolden die Steintreppen runter. In den meisten Fällen letzteres, denn der Luftraum ist gesperrt. Sternenstaub statt Stahl. Verletzungen – gefühlt keine. Am nächsten Tag kann alles anders sein. Jeder dritte tauscht aufgrund körperlicher Folgeschäden Fußball- gegen Schachkarriere. Zwei davon erfolgreich (auf Bezirksebene).

Um mehr Stringenz wird gebeten. Das erste Seebad zieht den Körper zusammen, aber ob das Konzentration ist, oder ersetzt, bleibt zur Debatte gestellt. Theorien diesbezüglich bitte nur noch per Brief- oder Flaschenpost. Das zweite naturgemäß eine Enttäuschung. In einer Hinsicht. Weder See, noch Bad, aber wahrscheinlich der richtige Ort zur richtigen Zeit.

Der Trend geht weiter Richtung Auflösung, oder Reduktion. Immer weniger von allem, was die Sonne ausgedörrt. Die Pressetage geben es vor: Magermanagermagerquark. Die periodischen Ausdehnungen und Resorptionen finden ein Ende. Materie konvergiert gegen Null. Trotz Massenerhaltungssatz wird alles immer leichter. Mehr Affekte, mehr Spielraum und Versuch der magischen Stille aus Island.

Die wiederbelebte Utopie muss sich aus der stabilen Seitenlage aufraffen. Mit frisch geblähten Segeln hart am Wind. Das Ideal des gemeinsam geteilten Deliriums. Aufklärung verworfen: Die philosophische Debatte wird nur noch nach Feierabend zur Selbstinszenierung in fremden Büros geführt. Und die verloren Geglaubte schwadroniert plötzlich hinter dir. Jaqueline in Karlshorst. Bei Einbruch der Dunkelheit nach Hause, im Sommer Gemeinde-Segeltörn auf dem Ijsselmeer. „Das ist manchmal ganz schön stürmisch!“ Aber wo es noch wüst und leer ist, erblüht bald die Oase (falls genug gegossen). Einmal nach Istanbul und zurück mit dem rhetorischen Orient-Express als Schmalspurbahn. Wirf die Schuhe ins Wasser und schau dich um. Es ist alles immer schon da, vierfach und schwankend. Welche Hybris zu glauben, es sei nicht perfekt, nur weil du nicht wunschlos bist. Du Multiperspektivität als Allgemeinplatz. Wir vergessen den Relativismus. Der Mai ist schon immer radikal gewesen. Breiteres Grinsen reine Freude Aussicht über Welt und Zeit.

Herz, Hand und Seele.

Richard Kirschstein & Neele Illner

Richard Kirschstein

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