Nehme ihr das Handy weg

von Redaktion


Ich habe Liebeskummer – ein Satz, den man vermutlich aus dem Mund einer Frau öfter hört, als bei Männern. Warum? Weil Frauen darüber sprechen.

Erst sucht man die Liebe, dann findet man sie und verliert sie schließlich wieder. Zurück bleibt wieder nur die Suche, nur selten nach einer Neuen, sondern meist nach der Alten. Die vergangene Liebe, die so schön war. Anscheinend. Denn so oft beschönigt man nach einer Trennung die Beziehung und ist sich nicht mehr wirklich bewusst darüber, warum man alleine ist, alleine TV schaut und niemanden mehr zum Anmeckern hat.

Was soll man machen, wenn man verlassen wird und Liebeskummer hat? Ganz ehrlich? Wenn Frauen das wüssten, würden sie glücklicher leben und keinen Mann umklammern, als würde es keinen Nachfolger geben.

Die Frage ist doch eher – was machen Frauen, wenn sie verlassen werden?

Erst weinen sie. Würde man all die Tränen in eine Wanne packen, man könnte drin baden. Weinen hilft, so ist es nunmal. Die besten Freunde sind da, kümmern sich rührend um einen, geben Ratschläge wie „Der Typ war eh scheiße und Süße, du hast jemand Besseren verdient.“ Gut gemeint, dumm nur, wenn die Verlassene dann wieder mit dem Typen zusammen kommt. Daher Vorsicht bei der Wortwahl der Freunde, denn so sehr die Verlassene die Freundin liebt und schätzt – gut möglich, dass sie es ihrem alten neuen Freund auf die Nase bindet. „Ach übrigens, Sandra mag dich nicht, das hat sie mir nach der Trennung erzählt. Und ich habe ihr gesagt, was du von ihr hälst.“

Ist die Freundin glücklicherweise auch Single, so ziehen die Frauen nach kurzer Zeit um die Häuser. Der Ex nicht vergessen, nur ertrunken in sehr viel Alkohol. Den Samstagabend sonst mit DVD und Kuscheln auf dem Sofa verbracht, kennt die Verlassene nun alle Hotspots und am Ende des Abends auch alle Männer im Club. Erste Gedanken kommen auf, ob man das Singleleben vielleicht doch ganz gut findet, mit all dem Spaß und den Männern, der Freundin.

Hat man den spaßigen Alkoholpegel allerdings überschritten, folgt der emotionale Pegel. Sie weinen. Und wenn die beste Freundin nicht mehr in greifbarer Nähe ist, um der Verlassenen das Handy aus der Hand zu reißen, rufen sie ihn an. Er hebt ab, da er sich in der Anfangszeit noch etwas schuldig und verpflichtet fühlt, wird es aber früher oder später bereuen.

Das Single-Dasein hat seine Vor- und Nachteile, welche die Verlassene nun am eigenen Leibe zu spüren bekommt. Ausgehen mit der Freundin, Mädchenabende, knutschen und flirten mit Männern, tagelang nicht rasieren und Schokolade essen so viel man will, gehören wohl zu den Vorteilen. Ist man jedoch der einzige Single im Freundeskreis weit und breit, oder hat die beste Freundin mal keine Zeit, oder Lust, auszugehen, steht man da und weiss sich meist nicht zu helfen. So lustig die Samstage sind, so deprimierend ist der Sonntag. Vom Fernsehprogramm ganz zu schweigen, besteht der Sonntag daraus, den Kater der letzten Nacht zu verdrängen, ausgiebig zu frühstücken, oder zu chillen, zu Hause oder Draußen, Kaffee und Kuchen, Kino, oder Essen gehen. Und all das allein. Einmal weinen, bitte, mit einem Schuss Selbstmitleid.

Lernt man dann mal einen neuen Mann kennen, den Ex aber noch in gedanklicher Pipeline, sucht man nach frischen, neuen Gefühlen, findet sie aber nicht. Der Typ verliebt sich aber in die Verlassene und siehe da, Frauen werden zum ersten Mal zu einem Mann und handeln wie einer. Zeit ver- bringen ja, verliebt sein nein. Falsche Hoffnungen machen? Nein, man hat ja seinen Standpunkt klar gemacht. Gehen lassen? Niemals. Man hat ja nichts Besseres.

Gefühle brauchen Zeit und lassen sich nicht an- und abschalten. Sie haben auch kein Verfallsdatum, zumindest kein gesetztes. Ist etwas schön, wollen wir die Zeit anhalten. Tut etwas weh, wollen wir es schnell hinter uns bringen. Jeder weiss, dass Dinge Zeit brauchen, um zu reifen, sei es in positiver, als auch negativer Hinsicht. So ungesund es ist, nach einer Woche zusammen zu kommen, oder am ersten Date Sex zu haben, so ungesund ist es, die Trennung auf Teufel komm raus zu bedecken mit all dem, was man sonst nur selten bis nie gemacht hat. Trauer tut weh, Leiden ist unangenehm. Doch wir wissen, auch wenn wir den Gedanken nicht immer zulassen, dass nach jedem Tief ein Hoch folgt. Würden wir das Tief nicht kennen, wären wir unachtsam dem Hoch gegenüber. Waxing tut auch weh, aber das Ergebnis ist nun mal perfekt.

Elleparamour

elleparamour.blogspot.com

Layout Vinzent Britz

Redaktion

Want more stuff like this? Show love below.